Was ist ein Zwischenzeugnis — und warum ist es so wertvoll?
Ein Zwischenzeugnis ist ein Arbeitszeugnis, das während eines laufenden Arbeitsverhältnisses ausgestellt wird. Es dokumentiert deine Leistungen, Aufgaben und Bewertungen zu einem bestimmten Zeitpunkt — ohne dass das Arbeitsverhältnis endet.
Das klingt vielleicht nach einem Dokument für besondere Umstände. Aber das Zwischenzeugnis ist eines der am meisten unterschätzten Instrumente, die du als Arbeitnehmer in der Hand hast. Es schützt dich, es stärkt deine Position und es kann im späteren Zeugnisstreit entscheidend sein.
Und vor allem: Es ist in vielen Situationen dein gutes Recht, es zu verlangen. Kein Bittgesuch, kein Gefallen — sondern ein Anspruch, den du selbstverständlich geltend machen kannst.
In diesem Artikel lernst du, wann ein Zwischenzeugnis sinnvoll oder sogar notwendig ist, wie du es formal und freundlich anforderst, welche rechtlichen Grundlagen dahinterstecken — und wie du es strategisch einsetzt.
Der Unterschied zwischen Zwischenzeugnis und Schlusszeugnis
Ein Schlusszeugnis (auch Abschlusszeugnis oder einfach „das Zeugnis") wird beim Ende des Arbeitsverhältnisses ausgestellt. Es bewertet die gesamte Beschäftigungszeit und endet mit einer Schlussformel, die das Ausscheiden thematisiert.
Ein Zwischenzeugnis hingegen wird während des laufenden Arbeitsverhältnisses ausgestellt. Es unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt: Statt einer Schlussformel enthält es die sogenannte Kontinuitätsformel — einen Satz, der bestätigt, dass das Arbeitsverhältnis weiterhin besteht.
Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn du das Zwischenzeugnis für Bewerbungen nutzt: Ein Leser sieht sofort, dass du noch in diesem Unternehmen tätig bist. Das kann ein Vorteil sein (du bist begehrt, nicht arbeitslos) oder erklärungsbedürftig (du willst wechseln, obwohl alles gut ist). Überlege, wie du das in einem Bewerbungsgespräch kommunizieren willst.
Wann du ein Zwischenzeugnis anfordern solltest
Es gibt typische Situationen, in denen ein Zwischenzeugnis besonders wichtig ist. Manche davon sind offensichtlich, andere werden häufig übersehen.
1. Vorgesetztenwechsel
Dein direkter Vorgesetzter verlässt das Unternehmen oder wechselt in eine andere Abteilung? Das ist einer der wichtigsten Anlässe für ein Zwischenzeugnis. Der neue Vorgesetzte hat dich vielleicht noch nie erlebt — oder kennt deine Leistung der vergangenen Jahre nicht.
Wenn du kein Zwischenzeugnis hast und das Arbeitsverhältnis später endet, kann der neue Vorgesetzte das Abschlusszeugnis ausstellen, ohne wirklich zu wissen, was du geleistet hast. Er mag einen anderen Führungsstil haben, andere Erwartungen — und wenn er dich in einem kurzen Zeitraum erlebt hat, der nicht repräsentativ für deine gesamte Leistung war, kann das Abschlusszeugnis weit schlechter ausfallen als gerechtfertigt.
Ein Zwischenzeugnis dokumentiert deinen Leistungsstand zum Zeitpunkt des Vorgesetztenwechsels und schützt dich vor einer ungerechtfertigten Neubewertung.
2. Umstrukturierungen und Fusionen
Wenn dein Unternehmen fusioniert, umstrukturiert oder in einen anderen Konzern übergeht, ändern sich oft Zuständigkeiten, Abteilungen und Berichtswege. Auch hier gilt: Die Menschen, die dich beurteilen können, könnten bald nicht mehr im Unternehmen sein.
Fordere ein Zwischenzeugnis an, bevor die Umstrukturierung abgeschlossen ist — solange noch die richtigen Personen zuständig sind und deine Leistung direkt kennen. Nach einer Fusion kann es Monate dauern, bis neue Prozesse etabliert sind, und in dieser Unklarheit sind Zeugnisse schwerer zu bekommen und weniger verlässlich.
3. Vor einer geplanten Kündigung
Wenn du überlegst, dein Arbeitsverhältnis in absehbarer Zeit zu beenden, ist ein Zwischenzeugnis eine kluge Vorbereitung. Es sichert dir eine aktuelle Bewertung, die du für Bewerbungen nutzen kannst — noch bevor das Verhältnis möglicherweise abkühlt.
Das klingt taktisch, weil es das ist. Und es ist vollkommen legitim. Du hast das Recht auf ein Zeugnis. Nutze es zum optimalen Zeitpunkt.
Denk daran: Arbeitsverhältnisse enden selten gut. Wenn Kündigungsfristen laufen, Projekte abgeschlossen werden und beide Seiten wissen, dass es bald vorbei ist, verändert sich die Stimmung. Ein Zeugnis aus dieser Phase kann andere Töne enthalten als eines, das sechs Monate vorher ausgestellt wurde.
4. Bewerbungen während des laufenden Arbeitsverhältnisses
Du bewirbst dich intern auf eine andere Stelle oder extern auf eine neue Position, während du noch beschäftigt bist? Viele Arbeitgeber fragen nach einem Zeugnis. Ein aktuelles Zwischenzeugnis ist in diesem Fall die richtige Antwort.
Bei internen Bewerbungen ist das Zwischenzeugnis sogar besonders sinnvoll: Es zeigt, dass du deinen aktuellen Leistungsstand dokumentiert und professionell mit dem eigenen Profil umgehst.
5. Förderungen, Weiterbildungen und Studienbewerbungen
Stipendien, berufsbegleitende Studiengänge oder Förderprogramme verlangen manchmal ein Zeugnis vom aktuellen Arbeitgeber. Ein Zwischenzeugnis erfüllt diesen Zweck — und hat dabei den Vorteil, dass es deine aktuelle Position korrekt wiedergibt.
6. Elternzeit oder längere Abwesenheit
Wenn du in Elternzeit gehst oder eine längere Auszeit planst, solltest du vorher ein Zwischenzeugnis anfordern. So ist dein Leistungsstand dokumentiert, bevor du für eine längere Zeit aus dem Alltag heraus bist. Wenn du nach der Elternzeit zurückkommst, hat sich möglicherweise einiges verändert — ein Zwischenzeugnis sichert den Status vor dem Beginn der Auszeit.
7. Versetzung in eine andere Abteilung
Bei einer internen Versetzung wechselst du aus dem Verantwortungsbereich deines bisherigen Vorgesetzten. Ein Zwischenzeugnis schließt die bisherige Phase ab und bildet den Ausgangspunkt für die neue. Das ist besonders wichtig, wenn du in die neue Abteilung mit einem klaren Leistungsprofil starten möchtest — anstatt von Null an neu bewertet zu werden.
8. Wenn das Verhältnis zum Vorgesetzten angespannt ist
Wenn du merkst, dass das Verhältnis zu deinem Vorgesetzten schwieriger wird — wegen eines Konflikts, einer Veränderung in der Teamdynamik oder anderer Faktoren — ist es klug, frühzeitig ein Zwischenzeugnis anzufordern. Das sichert eine Bewertung aus einer Phase, in der das Verhältnis noch gut war.
Das mag sich seltsam anfühlen: Du forderst ein Zeugnis an, ohne dass ein offensichtlicher Anlass vorliegt. Aber ein „berechtigtes Interesse" kann auch darin bestehen, deinen aktuellen Leistungsstand zu sichern — besonders wenn du siehst, dass sich die Bedingungen verändern.
Dein Rechtsanspruch auf ein Zwischenzeugnis
Grundlage ist § 109 Abs. 1 der Gewerbeordnung (GewO). Darin ist das Recht auf ein Zeugnis verankert. Obwohl das Gesetz primär das Abschlusszeugnis regelt, hat die Rechtsprechung den Anspruch auf ein Zwischenzeugnis in bestimmten Situationen anerkannt.
Wann besteht ein Rechtsanspruch?
Ein einklagbarer Anspruch auf ein Zwischenzeugnis besteht in der Regel, wenn ein „berechtigtes Interesse" vorliegt. Das ist typischerweise der Fall bei:
- Vorgesetztenwechsel
- Versetzung in eine andere Abteilung oder einen anderen Betrieb
- Übergang des Unternehmens (Betriebsübergang nach § 613a BGB)
- Bewerbung auf eine interne Stelle
- Beginn der Elternzeit oder einer anderen längeren Abwesenheit
- Aufnahme eines berufsbegleitenden Studiums
Ohne ein solches berechtigtes Interesse ist der Anspruch weniger klar gesetzlich verankert — aber viele Arbeitgeber stellen auch ohne formellen Anspruch ein Zwischenzeugnis aus, wenn du es höflich anforderst.
Was gilt als „berechtigtes Interesse"?
Die Rechtsprechung legt das weit aus. Generell gilt: Wenn du einen nachvollziehbaren Grund hast, warum du ein Zwischenzeugnis brauchst, und wenn das Ausstellen des Zeugnisses keine unzumutbare Belastung für den Arbeitgeber darstellt, spricht viel für deinen Anspruch.
Die Hürde für ein „berechtigtes Interesse" ist in der Praxis niedrig — die meisten der oben genannten Situationen erfüllen sie eindeutig. Wenn du dir unsicher bist, ob deine Situation ausreicht, formuliere die Anforderung so, dass ein berechtigtes Interesse klar wird.
Wie du ein Zwischenzeugnis richtig anforderst
Die Art und Weise, wie du das Zwischenzeugnis anforderst, beeinflusst, was du bekommst. Ein unhöflicher oder fordernder Ton kann die Stimmung verschlechtern; ein sachlicher und freundlicher Ton führt meist schneller zum Ziel.
Mündlich oder schriftlich?
Beginne mit einem mündlichen Gespräch, wenn das Verhältnis zu Vorgesetzten und HR gut ist. Das wirkt weniger formell und zeigt, dass du vertrauensvoll vorgehst. Wenn du aber sichergehen willst, dass die Anfrage dokumentiert ist — zum Beispiel bei einem bevorstehenden Vorgesetztenwechsel — ist eine E-Mail die bessere Wahl.
Bei einer schriftlichen Anfrage hast du außerdem einen Nachweis, falls später Streit darüber entsteht, ob und wann du das Zeugnis angefordert hast.
Was du in der Anfrage erwähnen solltest
- Den Anlass (zum Beispiel: Vorgesetztenwechsel, Bewerbung, Studium)
- Den Zeitraum, den das Zeugnis abdecken soll
- Einen konkreten Wunschtermin, bis wann du das Zeugnis benötigst
- Ein kooperatives Signal: Du stehst für Rückfragen zur Verfügung
Muster: E-Mail zur Zwischenzeugnis-Anforderung
Betreff: Bitte um Zwischenzeugnis Hallo [Name der Vorgesetzten / HR-Kontakt], ich würde mich freuen, wenn Sie mir ein Zwischenzeugnis für den Zeitraum meiner bisherigen Tätigkeit bei [Unternehmen] ausstellen könnten. Hintergrund: [Kurze Begründung — z.B.: Da [Vorgesetzte/r] das Team verlässt / ich mich intern beworben habe / ich ein Weiterbildungsprogramm beginne, wäre es für mich hilfreich, meinen aktuellen Leistungsstand dokumentiert zu haben.] Wenn möglich, würde ich das Zeugnis gerne bis [Datum] erhalten. Ich stehe natürlich gerne für ein kurzes Gespräch zur Verfügung, falls das hilfreich ist. Herzlichen Dank und freundliche Grüße, [Dein Name]
Was ist, wenn du keinen expliziten Grund nennen willst?
Du bist nicht verpflichtet, jeden Hintergrund offenzulegen. Wenn du sagst „Ich möchte meinen aktuellen Leistungsstand dokumentieren lassen, da wir gerade in einer Phase der Veränderung sind", ist das ein vollkommen ausreichender Grund — ohne dass du erklären musst, dass du möglicherweise bald kündigen willst.
Was ein gutes Zwischenzeugnis enthalten muss
Ein Zwischenzeugnis unterscheidet sich vom Abschlusszeugnis in einem wesentlichen Punkt: Es endet mit der Aussage, dass das Arbeitsverhältnis fortgesetzt wird — und nicht mit einer Schlussformel, die auf eine Kündigung hindeutet.
Pflichtbestandteile des Zwischenzeugnisses
- Einleitung: Name, Geburtsdatum, Beginn des Arbeitsverhältnisses, aktuelle Position
- Tätigkeitsbeschreibung: Vollständige und korrekte Auflistung der relevanten Aufgaben und Verantwortlichkeiten — wie beim Schlusszeugnis
- Leistungsbeurteilung: Bewertung der fachlichen und methodischen Kompetenzen mit den üblichen Formulierungen
- Verhaltensbeurteilung: Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und ggf. Kunden
- Kontinuitätsformel: Aussage, dass das Arbeitsverhältnis fortgesetzt wird — z.B.: „Das Arbeitsverhältnis besteht unverändert fort."
Was beim Zwischenzeugnis fehlen darf
Eine vollständige Abschlussformel (mit Bedauern, Dank und Zukunftswünschen) gehört ins Schlusszeugnis, nicht ins Zwischenzeugnis. Wenn ein Zwischenzeugnis diese Formel enthält, kann das dem Leser signalisieren, dass das Arbeitsverhältnis bald enden wird — was du möglicherweise nicht preisgeben willst.
Die Kontinuitätsformel „Das Arbeitsverhältnis besteht unverändert fort" ist der korrekte Abschluss eines Zwischenzeugnisses. Manchmal werden Varianten verwendet wie „Das Arbeitsverhältnis wird in beiderseitigem Einverständnis fortgesetzt" — das ist ebenfalls akzeptabel.
Das Zwischenzeugnis strategisch einsetzen
Ein Zwischenzeugnis ist mehr als ein Zwischendokument — es ist ein strategisches Instrument, das du in verschiedenen Kontexten einsetzen kannst.
Als Bewerbungsunterlage
Wenn du dich auf eine neue Stelle bewirbst, während du noch angestellt bist, gibt das Zwischenzeugnis dem potenziellen Arbeitgeber eine aktuelle Einschätzung deiner Leistung. Es ist oft aussagekräftiger als ein älteres Schlusszeugnis aus einem früheren Job — denn es zeigt, was du jetzt kannst, nicht was du vor drei Jahren getan hast.
Wichtig bei der Bewerbung: Erkläre kurz, dass es sich um ein Zwischenzeugnis handelt, weil du dich noch im laufenden Arbeitsverhältnis befindest. Das ist völlig normal und professionell.
Als Sicherheitsnetz für das Schlusszeugnis
Stell dir vor: Du hast fünf Jahre lang hervorragende Arbeit geleistet. Dann gibt es einen Führungswechsel. Der neue Chef hat ein anderes Bild von dir. Wenn du dann gehst, könnte das Abschlusszeugnis stark von deiner tatsächlichen Leistung abweichen.
Wenn du aber kurz vor dem Führungswechsel ein Zwischenzeugnis hast, in dem dir ausgezeichnete Leistungen bescheinigt werden, ist das ein starkes Gegenargument. Der neue Chef kann schlecht eine Note 5 schreiben, wenn das Zwischenzeugnis vom letzten Monat eine Note 1 enthält — zumindest nicht ohne eine nachvollziehbare Erklärung dafür, was sich in der Zwischenzeit geändert haben soll.
Als Hebel beim Schlusszeugnis
In einem späteren Zeugnisstreit ist das Zwischenzeugnis dein wichtigstes Beweismittel. Wenn die Bewertung im Schlusszeugnis deutlich schlechter ist als im Zwischenzeugnis, muss der Arbeitgeber erklären, was sich in der Zwischenzeit geändert hat. Ohne plausible Erklärung — konkrete Vorfälle, dokumentierte Leistungsdefizite — wird ein Arbeitsgericht das Schlusszeugnis sehr wahrscheinlich anpassen.
Das ist die stärkste strategische Funktion des Zwischenzeugnisses: Es setzt die Messlatte für das Schlusszeugnis.
Als Dokumentation bei internen Konflikten
Wenn du ahnst, dass es bei deinem Ausscheiden Streit geben könnte — wegen einer strittigen Kündigung, eines Konflikts mit dem Vorgesetzten oder aus anderen Gründen — ist das Zwischenzeugnis eine wichtige Dokumentation. Es zeigt schwarz auf weiß, wie dein Leistungsstand kurz vor dem Konflikt war.
Das Zwischenzeugnis prüfen: Direkt nach dem Erhalt
Wenn du dein Zwischenzeugnis erhalten hast, prüfe es sofort — bevor du es für Bewerbungen verwendest. Ein Zwischenzeugnis mit schlechten Formulierungen ist schlechter als kein Zwischenzeugnis, weil es als Beleg für eine schlechte Leistung verwendet werden kann.
Der ZeugnisChecker analysiert deinen Zeugnistext automatisch: Leistungsbeurteilung, Verhaltensbeurteilung, Formulierungscodes, fehlende Bestandteile. Wenn das Zwischenzeugnis Schwächen hat, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sie zu adressieren — nicht erst beim Schlusszeugnis, wenn das Verhältnis vielleicht schon belastet ist.
Was du beim Prüfen des Zwischenzeugnisses beachten solltest
- Sind alle wesentlichen Tätigkeiten vollständig und korrekt beschrieben?
- Entspricht die Leistungsbeurteilung deiner tatsächlichen Leistung?
- Ist die Verhaltensbeurteilung vollständig und positiv formuliert?
- Enthält das Zeugnis die Kontinuitätsformel (nicht die Abschlussformel)?
- Stimmen alle formalen Angaben (Name, Datum, Berufsbezeichnung)?
Wann du lieber kein Zwischenzeugnis anfordern solltest
So hilfreich das Zwischenzeugnis ist — es gibt Situationen, in denen die Anfrage mehr schadet als nutzt.
- Wenn das Verhältnis bereits stark angespannt ist: Eine formelle Anfrage kann als Signal gewertet werden, dass du das Unternehmen verlassen willst — was das ohnehin schwierige Verhältnis weiter belasten kann.
- Wenn kein berechtigter Anlass vorliegt: Eine Anfrage ohne nachvollziehbaren Grund kann Misstrauen auslösen, wenn das Unternehmen klein ist und der Vorgesetzte direkt betroffen ist.
- Wenn du kurz vor der Kündigung stehst und das Verhältnis gut ist: In diesem Fall ist das Abschlusszeugnis möglicherweise die bessere Option — besonders wenn du es selbst entwerfen kannst und das Verhältnis gut genug ist, um einen Entwurf einzureichen.
Was tun, wenn der Arbeitgeber das Zwischenzeugnis verweigert?
Wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt und der Arbeitgeber das Zeugnis trotzdem verweigert, hast du mehrere Optionen:
- Schriftliche Mahnung mit Fristsetzung und Hinweis auf den Rechtsanspruch
- Einschaltung des Betriebsrats (falls vorhanden) — der Betriebsrat kann als Vermittler agieren
- Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz beim Arbeitsgericht, wenn das Zeugnis dringend benötigt wird
- Klage auf Ausstellung vor dem Arbeitsgericht
In der Praxis ist eine Klage auf ein Zwischenzeugnis selten notwendig — die meisten Arbeitgeber geben nach, wenn der Anspruch klar und freundlich, aber bestimmt formuliert ist.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich mehrere Zwischenzeugnisse verlangen?
Ja, grundsätzlich kannst du für jede berechtigte Situation ein Zwischenzeugnis anfordern. Es gibt keine gesetzliche Obergrenze. Allerdings kann eine sehr häufige Anforderung ohne nachvollziehbaren Anlass als Schikane gelten. Mit einem neuen berechtigten Anlass — zum Beispiel einem erneuten Vorgesetztenwechsel oder einer neuen Bewerbungssituation — ist eine weitere Anforderung immer gerechtfertigt.
Kann der Arbeitgeber mich fragen, warum ich ein Zwischenzeugnis will?
Ja. Du musst nicht lügen, aber du bist auch nicht verpflichtet, jeden Hintergrund offenzulegen. „Ich bewerbe mich auf eine neue Stelle" ist eine ehrliche Antwort, die du geben kannst — oder auch nicht. In der Regel reicht ein allgemeiner Grund, zum Beispiel ein Vorgesetztenwechsel oder eine Weiterbildung.
Muss das Zwischenzeugnis das aktuelle Datum tragen?
Ja, das Zwischenzeugnis sollte das Ausstellungsdatum tragen — also das Datum, an dem es unterzeichnet wird. Es gibt keine Möglichkeit, ein Zeugnis rückzudatieren. Wenn du ein Zeugnis für einen früheren Zeitpunkt benötigst, kannst du den Zeitraum in der Tätigkeitsbeschreibung angeben — aber das Ausstellungsdatum bleibt das aktuelle.
Gilt das Zwischenzeugnis als Bewerbungsunterlage genauso wie ein Schlusszeugnis?
Für die meisten Zwecke ja. Personalverantwortliche wissen, was ein Zwischenzeugnis ist und werten es entsprechend. Wenn du mehrere Zeugnisse hast — ein Zwischenzeugnis und ältere Schlusszeugnisse — lege alle relevanten vor. Das zeigt eine lückenlose Dokumentation deiner Karriere.
Was passiert mit dem Zwischenzeugnis, wenn das Arbeitsverhältnis endet?
Das Zwischenzeugnis bleibt gültig — es ist eine Momentaufnahme deiner Leistung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Du kannst es weiterhin als Bewerbungsunterlage verwenden. Das Schlusszeugnis kommt hinzu und beschreibt die gesamte Laufbahn. Beide Dokumente ergänzen sich — und wenn das Schlusszeugnis schlechter als das Zwischenzeugnis ist, hast du damit einen starken Hebel für eine Berichtigung.
Wann sollte ich das Zwischenzeugnis spätestens anfordern?
Sobald du den Anlass erkennst. Wenn ein Vorgesetztenwechsel angekündigt wird, fordere das Zeugnis noch vor dem Abschied des Vorgesetzten an. Warte nicht, bis der alte Vorgesetzte schon weg ist — dann ist es zu spät für ein aussagekräftiges Zeugnis von dieser Person. Frühzeitiges Handeln ist immer besser als reaktives.
Kann ich ein Zwischenzeugnis auch nachträglich anfordern, wenn der Vorgesetzte schon weg ist?
Das ist schwieriger, weil der ehemalige Vorgesetzte möglicherweise nicht mehr im Unternehmen ist und der neue Vorgesetzte deine vergangene Leistung nicht beurteilen kann. In manchen Fällen kann HR auf Basis vorhandener Unterlagen ein Zeugnis erstellen — aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Besser: frühzeitig handeln.
Fazit: Dokumentiere deinen Leistungsstand zur richtigen Zeit
Ein Zwischenzeugnis ist eine unterschätzte, aber äußerst nützliche Absicherung. Es dokumentiert deinen Leistungsstand zu einem wichtigen Moment in deiner Karriere — und kann im Ernstfall dein stärkstes Argument sein, wenn das Schlusszeugnis nicht deiner Leistung entspricht.
Die wichtigsten Situationen: Vorgesetztenwechsel, Umstrukturierung, geplante Kündigung, Elternzeit, interne Bewerbung, angespanntes Verhältnis. Fordere das Zwischenzeugnis frühzeitig, freundlich und sachlich an. Und prüfe es sofort, wenn du es erhalten hast — mit dem ZeugnisChecker oder dem Schritt-für-Schritt-Guide in diesem Blog.
Ein gutes Zwischenzeugnis zum richtigen Zeitpunkt ist eines der besten Dinge, die du proaktiv für deine Karriere tun kannst.



