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Pflichtteil berechnen: So ermittelst du den gesetzlichen Mindestanspruch

TestamentSchreiber-Team·12. April 2026·9 Min·Rechtsstand 2026·Aktualisiert: Oktober 2026
Taschenrechner und Erbschaftsunterlagen auf einem Schreibtisch — Pflichtteil berechnen

Kurzantwort · Stand: 20. Oktober 2026: Der Pflichtteil ist ein Geldanspruch gegen den Erben und beträgt die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils (§ 2303 BGB). Prüfe zuerst die Berechtigung, dann die gesetzliche Quote und den Nachlasswert zum Erbfall (§§ 2309, 2311 BGB). Dieser Hub führt dich zur passenden Berechnung und zu den vertiefenden Ratgebern, nicht zu einer pauschalen Quote für jede Familie.

Drei kostenlose Rechner für eure Entscheidung

Erst die Ausgangslage prüfen, dann die Gestaltung wählen — ohne Anmeldung. Die Rechner geben eine Orientierung und ersetzen keine individuelle Beratung.

Pflichtteil berechnen: Welche Frage musst du zuerst klären?

Beantworte jede Frage mit Ja oder Nein. Das ist eine Orientierung, keine automatische Empfehlung.

  1. Bist du durch Testament von der Erbfolge ausgeschlossen? Ja: Berechtigung nach § 2303 BGB prüfen. Nein: Erbenstellung und mögliche Zusatzansprüche individuell prüfen lassen. Anspruch einordnen
  2. Kennst du die gesetzliche Erbquote? Ja: Die Hälfte ihres Wertes als Ausgangspunkt nehmen (§ 2303 BGB). Nein: Zuerst Familie und Güterstand klären. Erbquote bestimmen
  3. Ist der Nachlasswert zum Erbfall bekannt? Ja: Bewertung und Unterlagen abgleichen (§ 2311 BGB). Nein: Auskunft und Wertermittlung nach § 2314 BGB prüfen. Wert und Hausbesitz
  4. Geht es um Verzicht statt Berechnung? Ja: Notariellen Vertrag nach §§ 2346, 2348 BGB prüfen. Nein: Enterbung nicht mit Verzicht verwechseln. Möglichkeiten vergleichen
  5. Soll ein Berliner Testament den Partner absichern? Ja: Mögliche Pflichtteilszahlungen mitplanen (§ 2303 BGB). Nein: Berechnung unabhängig vom Berliner Modell fortsetzen. Nachlassplanung abgrenzen

Pflichtteil, Enterbung oder Verzicht: Was unterscheidet sich?

WegWirkungNächster Schritt
Pflichtteil berechnenGeldanspruch: Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils (§ 2303 BGB)Quote und Nachlasswert prüfen
EnterbungAusschluss von der gesetzlichen Erbfolge durch Testament (§ 1938 BGB); Pflichtteil bleibt unter § 2303 BGB möglichBerechtigtenkreis und Zahlungsbedarf klären
PflichtteilsverzichtVertrag mit dem Erblasser; notarielle Beurkundung (§§ 2346 Abs. 2, 2348 BGB)Reichweite vor Unterschrift beraten lassen

Die konkrete Vertragsgestaltung erklärt der Ratgeber Pflichtteilsverzicht: Vertrag und Folgen. Wenn es um den Ausschluss im Testament geht, lies Enterbung und verbleibende Pflichtteilsrechte. Das sind unterschiedliche Entscheidungen.

Wer kann einen Pflichtteil verlangen?

§ 2303 BGB nennt Abkömmlinge, Ehegatten und Eltern bei Ausschluss durch Verfügung von Todes wegen. Entfernte Abkömmlinge und Eltern können nach § 2309 BGB ausgeschlossen sein, soweit ein näherer Abkömmling sie bei gesetzlicher Erbfolge ausschlösse und den Pflichtteil verlangen kann oder das ihm Hinterlassene annimmt. Die konkrete Familienkonstellation zählt; Geschwister gehören nicht zum Kreis des § 2303 BGB.

Für das Zusammenspiel von Partner, Kindern und Haus gibt es den Schwerpunkt Pflichtteil bei Ehegatten, Kindern und Hausbesitz. Eine Berechnung allein sagt noch nichts darüber, welche Gestaltung du wählen solltest.

Welche gesetzliche Erbquote ist die richtige Grundlage?

Abkömmlinge erben nach den Regeln des § 1924 BGB; beim Ehegatten sind § 1931 BGB und der Güterstand zu berücksichtigen, bei Zugewinngemeinschaft insbesondere § 1371 BGB. Deshalb gibt es keine einheitliche Pflichtteilsquote für jedes Kind oder jeden Ehegatten. Der Ratgeber gesetzliche Erbfolge hilft beim Einordnen der Ausgangslage.

Grundformel: gesetzliche Erbquote × Hälfte × maßgeblicher Nachlasswert (§§ 2303, 2311 BGB). Das ist eine Ausgangsrechnung. Schenkungen können einen gesonderten Pflichtteilsergänzungsanspruch auslösen (§ 2325 BGB); dafür reicht die Grundformel allein nicht.

Beispiel 01

Die Halbierung der gesetzlichen Quote

Dieses Schema verwendet keine erfundenen Vermögensbeträge. Die gesetzliche Erbquote muss für deinen Fall bereits feststehen; nur der Halbierungsschritt wird dargestellt (§ 2303 BGB).

Ausgangspunkt: gesetzliche Erbquote
Pflichtteilsquote: gesetzliche Erbquote × ½
Geldanspruch: Pflichtteilsquote × maßgeblicher Nachlasswert (§§ 2303, 2311 BGB)

Welcher Nachlasswert zählt, wenn ein Haus dazugehört?

Bestand und Wert des Nachlasses zum Erbfall sind nach § 2311 BGB maßgeblich. Ist der Pflichtteilsberechtigte nicht Erbe, kann er nach § 2314 BGB Auskunft und Wertermittlung verlangen. Setze einen geschätzten Hauswert nicht ungeprüft mit dem auszahlbaren Geld gleich. Die Berechnung und die Finanzierung einer Zahlung sind getrennte Aufgaben.

Lege für die Prüfung Vermögensübersicht, Verbindlichkeiten, Eigentumsunterlagen und Informationen über frühere Zuwendungen bereit. Ob einzelne Positionen anzusetzen sind, lässt sich ohne den konkreten Fall nicht beantworten.

Was bedeutet das für deine Testamentsplanung?

Eine Alleinerbeneinsetzung des Partners beseitigt Pflichtteilsrechte ausgeschlossener Kinder nicht (§ 2303 BGB). Die Folgen vertieft Berliner Testament: Nachteile und Pflichtteil. Form und gemeinschaftliche Gestaltung bleiben bei Berliner Testament und Testament für Ehepaare; dieser Hub bleibt bei Berechnungsgrundlagen und der Wahl des passenden nächsten Schritts.

Wenn deine Gestaltung geklärt ist, kannst du mit dem Testamentschreiber einen Testament-Text zum Abschreiben vorbereiten. Du schreibst es anschließend von Hand ab und unterschreibst es; beim gemeinschaftlichen Testament gilt die Mitunterzeichnung nach § 2267 BGB (§ 2247 BGB, § 2267 BGB). Offene Rechtsfragen gehören zuvor in eine individuelle Beratung.

Typische Fehler

Häufige Fehler bei der Vorbereitung vermeiden

01

Mit einer pauschalen Quote starten

Ordne erst die Familienkonstellation und den Güterstand ein.

02

Hauswert mit verfügbarem Geld gleichsetzen

Halte Bewertung und mögliche Finanzierung einer Zahlung getrennt fest.

03

Ohne Unterlagen rechnen

Markiere fehlende Nachlassinformationen und lasse offene Positionen prüfen.

FAQ

Häufige Fragen zum Pflichtteil berechnen

Wie berechne ich meinen Pflichtteil?

Prüfe die Berechtigung, bestimme die gesetzliche Erbquote und halbiere deren Wert auf Grundlage des maßgeblichen Nachlasses (§§ 2303, 2309, 2311 BGB). Der vorhandene Rechner oben gibt eine Orientierung; Sonderfälle gehören in eine individuelle Prüfung.

Ist der Pflichtteil immer die Hälfte des Erbes?

Nein. Er beträgt die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils der berechtigten Person, nicht pauschal die Hälfte des gesamten Nachlasses (§ 2303 BGB). Die gesetzliche Quote muss daher zuerst feststehen.

Wie hoch ist der Pflichtteil für Kinder, wenn der Ehepartner erbt?

Das hängt von der gesetzlichen Erbquote ab. Kinderzahl, Verwandtschaftsverhältnisse und Güterstand sind vor der Halbierung zu prüfen (§§ 1924, 1931, 1371, 2303 BGB). Vertiefung: Ehegatte, Kinder und Haus.

Habe ich trotz Enterbung Anspruch auf den Pflichtteil?

Ein Ausschluss durch Testament kann gerade den Anspruch aus § 2303 BGB auslösen, wenn du zum berechtigten Personenkreis gehörst. Enterbung nach § 1938 BGB und Pflichtteilsverzicht nach §§ 2346, 2348 BGB sind nicht dasselbe.

Bekomme ich beim Pflichtteil einen Anteil am Haus?

Der Pflichtteil nach § 2303 BGB richtet sich auf einen Geldbetrag gegen den Erben, nicht auf einen bestimmten Hausanteil. Der Wert des Hauses kann für den Nachlasswert erheblich sein (§ 2311 BGB).

Was mache ich, wenn ich den Nachlasswert nicht kenne?

Wenn du als Pflichtteilsberechtigter nicht Erbe bist, kannst du vom Erben Auskunft über den Nachlass und Wertermittlung verlangen (§ 2314 BGB). Kläre Unterlagen und offene Bewertungsfragen, bevor du dich auf einen Betrag festlegst.

Kann ich den Pflichtteil durch ein Testament ausschließen?

Eine bloße Enterbung beseitigt den Anspruch nach § 2303 BGB nicht. Ein vertraglicher Pflichtteilsverzicht zu Lebzeiten unterliegt §§ 2346, 2348 BGB. Nur bei den engen Gründen des § 2333 BGB kann der Pflichtteil durch letztwillige Verfügung unter Angabe des Grundes entzogen werden (§ 2336 BGB). Dieser Hub empfiehlt keine Klausel zur Umgehung von Pflichtteilsrechten.

Primärquellen und Grenzen

Prüfstand: 20. Oktober 2026. Maßgeblich sind insbesondere § 2303 BGB, § 2309 BGB, § 2311 BGB und § 2314 BGB sowie § 2333 BGB und § 2336 BGB. Keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung; keine Aussage zu einem konkreten Anspruchsbetrag.

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