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Schlechtes Arbeitszeugnis: erkennen und richtig reagieren

ZeugnisChecker-Team·15. März 2026·14 Min·Rechtsstand 2026·Aktualisiert: Oktober 2026
Schlechtes Arbeitszeugnis: Zeugnistext lesen und Änderungswünsche vorbereiten

Schlechtes Arbeitszeugnis erhalten: Was soll ich zuerst tun?

Bei einem schlechten Arbeitszeugnis gehst du in dieser Reihenfolge vor: vollständigen Text lesen, konkrete Schwächen markieren, passende Belege sammeln und den Arbeitgeber um gezielte Änderungen bitten. Trenne falsche Daten, fehlende Aufgaben und eine strittige Leistungsbewertung. Ein einzelnes Wort oder eine fehlende Schlussformel beweist noch nicht, dass das gesamte Zeugnis schlecht ist.

Wenn „zu unserer Zufriedenheit“ im Alltag freundlich klingt, kann es in der üblichen Zufriedenheitsskala trotzdem für ausreichend stehen. Umgekehrt ist nicht jede ungewohnte Formulierung ein Geheimcode. Bevor du das Zeugnis anfechtest oder eine bessere Note verlangst, brauchst du deshalb eine nachvollziehbare Liste: Was steht dort, warum hältst du es für unzutreffend und welche Änderung lässt sich begründen?

Dieser Ratgeber hilft dir beim Erkennen und bei der Vorbereitung einer sachlichen Rückmeldung. Er enthält eine Notentabelle, eine Entscheidungshilfe und ein Textbeispiel für eine Änderungsbitte. Er ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung bei einem Streit oder unklaren Fristen.

Vergleiche die vollständige Wendung mit den Einzelerklärungen zu „zu unserer vollen Zufriedenheit“ und „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“.

Wie erkennst du ein schlechtes Zeugnis?

Das ist die erste Herausforderung: Ein schlechtes Zeugnis sieht auf den ersten Blick oft gar nicht schlecht aus. Die Sprache ist höflich, die Formulierungen klingen neutral. Erst wenn du die Codes kennst, erkennst du das Bild dahinter.

Suche zuerst die zusammenfassende Leistungsformel. Vergleiche sie anschließend mit Arbeitsweise, Ergebnissen und Sozialverhalten. Die folgende Tabelle gibt gebräuchliche Einordnungen wieder, keine gesetzlich vorgeschriebene Notenberechnung.

Die Notenskala in der Zeugnissprache

Formulierung Notenäquivalent Bewertung
„stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" 1 – sehr gut Ausgezeichnet
„stets zu unserer vollen Zufriedenheit" 2 – gut Gut
„zu unserer vollen Zufriedenheit" 3 – befriedigend Entspricht den Anforderungen
„zu unserer Zufriedenheit" 4 – ausreichend Zurückhaltende Leistungsbewertung
„im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" 4–5, je nach Zusammenhang Deutlich eingeschränkte Zufriedenheit
„hat sich bemüht" Eher 5 – mangelhaft Bemühen statt Erfolg; allein kein sicherer Beleg für Note 6

Ist Note 3 bereits ein schlechtes Arbeitszeugnis?

Note 3 bedeutet in der üblichen Skala befriedigend, nicht mangelhaft. Ob die Bewertung für dich zutreffend ist, hängt von deinen Leistungen ab. Eine pauschale Aussage, mit dieser Note werde jede Bewerbung aussortiert, ist nicht begründbar. Noch weniger lässt sich aus der Note allein ablesen, weshalb eine konkrete Bewerbung erfolglos war.

Prüfe deshalb die inhaltliche Passung: Werden gute Ergebnisse genannt, aber die Gesamtformel bleibt deutlich zurückhaltender? Werden wesentliche Aufgaben überhaupt beschrieben? Ein solcher Widerspruch ist ein konkreter Gesprächspunkt. Das bloße Gefühl, dass andere bestimmt eine bessere Note erhalten, ersetzt keinen Leistungsbeleg.

Welche Auffälligkeiten solltest du genauer ansehen?

  • Widersprüche zwischen einer vorhandenen Schlussformel und der Leistungsbewertung; ihr Fehlen allein beweist keine schlechte Leistung
  • Unklare Trennung von Aufgabenbeschreibung, Leistung und Verhalten
  • Fehlende Erwähnung wichtiger Projekte oder Verantwortlichkeiten
  • Passivkonstruktionen: „Aufgaben wurden erledigt" statt „erledigte Aufgaben eigenverantwortlich"
  • Doppelte Verneinungen: „gab keine Anlässe zur Beanstandung" statt positiver Formulierung
  • Auffällig kurzes Zeugnis ohne inhaltliche Substanz für ein mehrjähriges Arbeitsverhältnis
  • Unklare oder widersprüchliche Formulierungen zwischen verschiedenen Sektionen

Welche Grundlage hat eine Bitte um Zeugnisberichtigung?

§ 109 Abs. 1 und 2 GewO regelt den Zeugnisanspruch: Das Zeugnis nennt mindestens Art und Dauer der Tätigkeit und erstreckt sich auf Verlangen auch auf Leistung und Verhalten. Es muss klar und verständlich formuliert sein und darf keine verdeckten Aussagen bezwecken. Nicht jeder gewünschte Satz und nicht jede bessere Note lässt sich daraus verlangen.

Wer muss eine strittige Leistungsnote begründen?

Nach BAG, Urteil vom 18.11.2014, 9 AZR 584/13 müssen Beschäftigte Tatsachen für eine bessere Bewertung als „befriedigend“ darlegen und beweisen. Für eine Bewertung unterhalb von „befriedigend“ muss der Arbeitgeber die Tatsachen für die schlechtere Bewertung darlegen und beweisen. Das ist eine allgemeine Einordnung, keine Erfolgsprognose für deinen Fall.

Für das erste Gespräch bleibt es unabhängig davon hilfreich, deine eigenen Unterlagen zu ordnen. Notiere, welches Projekt, welche Beurteilung oder welche Zielerreichung du anführst und welchen Zeitraum sie betrifft. Ein einzelnes positives Feedback beweist nicht automatisch eine sehr gute Gesamtleistung über mehrere Jahre.

Ist eine fehlende Schlussformel ein Berichtigungsgrund?

Dank und Zukunftswünsche sind nicht automatisch geschuldet. Das stellt BAG, Urteil vom 25.01.2022, 9 AZR 146/21 klar. Eine Bitte um einen freundlichen Abschluss ist daher etwas anderes als die Beanstandung falscher Daten oder einer unzutreffenden Bewertung. Behandle die Schlussformel nicht als Pflichtbestandteil, dessen Fehlen allein ein schlechtes Zeugnis beweist.

Welche Änderung passt zu welchem Problem?

Fasse nicht alle Beobachtungen unter „zu schlecht“ zusammen. Eine gezielte Einordnung hilft dir, einen passenden Vorschlag und die richtigen Unterlagen zu finden. Für jede Zeile deiner Liste sollte der Arbeitgeber erkennen können, welche Aussage du ansprichst und weshalb.

ProblemWas du abgleichstKonkreter nächster Schritt
Name oder Beschäftigungsdatum falschVertrag und BeschäftigungsunterlagenKorrekte Angabe nennen und um Berichtigung bitten.
Wichtige Tätigkeit fehltAufgabenübersicht, Projektauftrag, tatsächlicher ZeitraumPräzisen Ergänzungssatz zur ausgeübten Verantwortung vorschlagen.
Leistungsformel erscheint zu schwachBeurteilungen, Ergebnisse und ZielerreichungBewertung und zugrunde liegende Tatsachen mit dem Aussteller besprechen.
Einzelurteile widersprechen sichVollständige Passagen und jeweiliger BezugBeide Sätze zitieren und nach einer stimmigen Darstellung fragen.
Schlussformel fehltOb Leistung und Verhalten trotzdem bewertet werdenNicht automatisch eine schlechte Note annehmen; einen Abschluss allenfalls gesondert ansprechen.

Diese Sortierung hilft auch bei einem gemischten Ergebnis. Vielleicht stimmen Name und Zeitraum, aber die Projektleitung fehlt. Dann muss nicht das gesamte Zeugnis ersetzt werden, sondern zunächst die konkrete Aufgabenlücke geklärt werden. Vielleicht ist die Gesamtformel dagegen gut und nur ein Satz missverständlich. Dann ist eine verständlichere Formulierung das passendere Ziel als eine pauschale Aufwertung auf Note 1.

Wie bitte ich Schritt für Schritt um eine Änderung?

Schritt 1: Klarheit schaffen — was genau stört dich?

Bevor du irgendetwas beim Arbeitgeber meldest, musst du genau wissen, was du beanstandest. Analysiere das Zeugnis systematisch. Nutze dafür den ZeugnisChecker oder arbeite die Checkliste im Abschnitt über den Zeugnis-Aufbau durch. Notiere:

  • Welche konkreten Formulierungen beanstandest du?
  • Was wäre die korrekte Formulierung aus deiner Sicht?
  • Welche Leistungen oder Aufgaben fehlen?
  • Was willst du inhaltlich geändert haben?
  • Hast du Belege für deine Behauptungen? (Beurteilungen, Auszeichnungen, E-Mails)

Je konkreter du bist, desto besser. „Das Zeugnis ist nicht gut genug" ist keine Grundlage für ein Gespräch. „Im Tätigkeitsabschnitt fehlt meine Projektleitung von [Zeitraum]. Bitte prüfen Sie die Ergänzung anhand der beigefügten Aufgabenübersicht“ benennt dagegen einen überprüfbaren Punkt.

Schritt 2: Das informelle Gespräch — oft der schnellste Weg

Bevor du einen formellen Widerspruch einreichst, lohnt es sich fast immer, das direkte Gespräch zu suchen — mit HR oder dem früheren Vorgesetzten. Viele Fehler in Zeugnissen entstehen durch Unwissen, nicht durch böse Absicht. Gerade kleinere Unternehmen haben oft wenig Erfahrung mit der Zeugnissprache und wissen gar nicht, was sie da geschrieben haben.

Ein freundliches Gespräch löst das Problem häufig schneller als jedes juristische Schreiben. Formuliere deinen Wunsch konkret: Nicht „das Zeugnis ist schlecht", sondern „ich hätte gerne, dass diese Formulierung geändert wird, weil die aktuelle Version als Note 4 gelesen wird, obwohl ich das ganze Jahr hervorragende Leistungen erbracht habe."

Signalisiere dabei, dass du das Gespräch als ersten Schritt siehst — nicht als Konfrontation. Das senkt die Hemmungen des Arbeitgebers, einer Korrektur zuzustimmen.

Schritt 3: Schriftlicher Berichtigungsantrag

Wenn das Gespräch nichts bringt oder gar nicht erst möglich ist, folgt der schriftliche Berichtigungsantrag. Bezeichne die Nachricht beispielsweise als „Bitte um Prüfung und Berichtigung“. Nenne die beanstandeten Stellen, die gewünschten Änderungen und eine praktikable Rückmeldefrist. Eine solche organisatorische Bitte ist keine Garantie, dass rechtliche Fristen gewahrt sind.

Textbeispiel für eine sachliche Änderungsbitte

Betreff: Bitte um Prüfung meines Arbeitszeugnisses vom [Datum]

Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für die Übersendung meines Arbeitszeugnisses. Ich bitte Sie, die folgenden Punkte zu prüfen:

Im Tätigkeitsabschnitt fehlt [tatsächlich ausgeübte Aufgabe] im Zeitraum [Datum bis Datum]. In der beigefügten Aufgabenübersicht ist diese Verantwortung dokumentiert. Als Ergänzung schlage ich vor: „[konkreter Ergänzungssatz]“.

Die Aussage „[Originalsatz]“ ist für mich im Zusammenhang mit „[weitere Passage oder dokumentiertes Ergebnis]“ nicht nachvollziehbar. Können Sie die zugrunde liegende Beurteilung erläutern und eine entsprechende Anpassung prüfen?

Bitte geben Sie mir bis zum [Datum] eine Rückmeldung. Für Rückfragen und einen kurzen Abgleich stehe ich zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen, [Name]

Passe das Beispiel an deinen Fall an. Entferne nicht zutreffende Punkte und verweise nur auf Unterlagen, die du tatsächlich hast. Ein vollständig kopierter Text mit Platzhaltern ist keine brauchbare Änderungsbitte. Eine bevorzugte Note solltest du mit deiner Leistung begründen, nicht nur mit einer schöneren Formulierung.

Schritt 4: Reaktion des Arbeitgebers abwarten

Gib dem Arbeitgeber eine angemessene Frist — in der Regel zwei bis vier Wochen. Wenn du eine Stelle in Aussicht hast und schnell ein korrigiertes Zeugnis brauchst, kommuniziere das klar. Viele Arbeitgeber reagieren schneller, wenn sie verstehen, dass es dir dringend ist.

Reagiert der Arbeitgeber innerhalb der Frist, hast du im besten Fall das korrigierte Zeugnis. Im schlechtesten Fall kommt eine Ablehnung oder gar keine Reaktion. Dann folgt der nächste Schritt.

Schritt 5: Bei ausbleibender Reaktion gezielt nachfassen

Frage nach, ob die zuständige Person deine Nachricht und die Unterlagen erhalten hat. Halte fest, wann du welche Punkte angesprochen hast und welche Antwort kam. Eine Drohung ist kein Ersatz für eine klare Beanstandung. Bei unklaren Fristen solltest du nicht allein auf weitere Rückmeldungen warten, sondern individuelle Beratung einholen.

Schritt 6: Wenn nichts hilft — Arbeitsgericht

Wenn der Arbeitgeber Änderungen ablehnt, sortiere zuerst die offenen Punkte und seine Begründung. Ob sich weitere Schritte anbieten, hängt vom konkreten Inhalt, den Belegen und möglichen Fristen ab. Besprich diese Fragen bei Bedarf mit einer Gewerkschaftsberatung oder einer im Arbeitsrecht tätigen anwaltlichen Beratung.

Nimm zur Beratung das ursprüngliche Zeugnis, deine Änderungsliste, die bisherige Korrespondenz und die passenden Leistungsunterlagen mit. Eine Textanalyse kann sprachliche Auffälligkeiten aufzeigen, aber weder Prozesschancen noch Kosten für deinen Einzelfall verlässlich bestimmen.

Welche Fristen sollte ich bei einem schlechten Zeugnis beachten?

Warte mit der Sichtung nicht bis zur nächsten Bewerbung. Notiere das Ausstellungsdatum, den tatsächlichen Erhalt und die bisherige Kommunikation. Stelle auch Arbeitsvertrag und gegebenenfalls Tarifunterlagen zusammen. Bei einer Fristenfrage sollte eine Beratung die konkreten Dokumente sehen, statt nur eine pauschale Monatszahl zu nennen.

Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt nach § 195 BGB drei Jahre; ihr regelmäßiger Beginn richtet sich nach § 199 BGB. Daraus folgt nicht, dass du mit jeder Beanstandung drei Jahre warten solltest. Vertragliche Ausschlussfristen und weitere Umstände können eine frühere Klärung erforderlich machen; ihre Wirksamkeit und Anwendung sind Einzelfallfragen.

Eine selbst gesetzte Rückmeldefrist in einer E-Mail ist nicht automatisch die rechtlich maßgebliche Frist. Wenn du das Zeugnis dringend für eine Bewerbung brauchst oder eine Vertragsklausel nicht verstehst, kläre das frühzeitig individuell. Die pauschale Empfehlung „innerhalb von sechs Monaten reicht immer“ wäre dafür nicht verlässlich.

Typische Fehler

Welche Fehler sollte ich bei der Beanstandung vermeiden?

Viele Menschen machen beim Anfechten eines schlechten Zeugnisses Fehler, die ihre Position schwächen. Diese sind die häufigsten:

01

Zu emotional reagieren

Ein schlechtes Zeugnis kann sich anfühlen wie eine persönliche Attacke. Das ist verständlich. Aber wer sich emotional und angriffslustig verhält, erschwert sich die Situation — und gibt dem Arbeitgeber einen Grund, in die Verteidigungshaltung zu gehen. Bleibe sachlich und konstruktiv. Das erhöht die Chancen auf eine einvernehmliche Lösung erheblich.

02

Keine konkreten Formulierungswünsche nennen

„Das Zeugnis ist nicht gut genug" ist keine hilfreiche Aussage. „Ich bitte darum, die Formulierung X in Y zu ändern" ist eine. Je konkreter dein Wunsch, desto einfacher ist es für den Arbeitgeber, darauf einzugehen. Wenn du weißt, welche Formulierung du möchtest, benimm dich nicht wie jemand, der eine vage Verbesserung will, sondern wie jemand, der genau weiß, was ihm zusteht.

03

Zu lange warten

Warte mit einer Beanstandung nicht unnötig lange, besonders wenn eine Tarifklausel oder andere Fristen in Betracht kommen. Wie langes Zuwarten rechtlich einzuordnen ist, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab.

04

Beratung trotz unklarer Fristen aufschieben

Ein sachliches Gespräch kann ein sinnvoller Anfang sein. Es ist aber keine Pflicht, vorher auf Beratung zu verzichten. Bei unklaren Vertragsfristen, einer deutlichen Eskalation oder einer dringenden Bewerbung kann frühe individuelle Hilfe sinnvoll sein. Entscheide nicht allein nach der Hoffnung, dass eine weitere Erinnerung schon genügen wird.

05

Die eigene Leistung relativieren

Bleibe bei überprüfbaren Tatsachen und übertreibe deine Ergebnisse nicht. Trenne eine einzelne schwierige Phase von der übrigen Beschäftigung. Eine nachvollziehbare Darstellung ist hilfreicher als die pauschale Behauptung, deine Arbeit sei immer hervorragend gewesen.

06

Das Zeugnis vor dem Gespräch weiterschicken

Wenn du das fehlerhafte Zeugnis bereits an potenzielle Arbeitgeber geschickt hast, wird es schwieriger, die Geschichte zu kontrollieren. Versuche, das Zeugnis erst nach der Prüfung — und wenn nötig nach der Korrektur — in Bewerbungen einzusetzen.

Was tun, wenn der Arbeitgeber sich weigert?

Manche Arbeitgeber verweigern die Berichtigung standhaft. In diesem Fall hast du folgende Optionen:

Option 1: Verhandeln und einen Kompromiss suchen

Manchmal ist ein Teilkompromiss möglich. Der Arbeitgeber ist bereit, bestimmte Punkte zu ändern, aber nicht alle. Das ist keine ideale Lösung, aber wenn die wesentlichen Schwächen behoben werden, kann das ausreichen.

Option 2: Gerichtliche Klage

Wenn eine Verhandlung scheitert, kann eine Klage vor dem Arbeitsgericht eine mögliche weitere Option sein. Ob ein gerichtliches Verfahren sinnvoll ist und wie es ausgeht, hängt vom konkreten Streit und den verfügbaren Belegen ab.

Option 3: Das Zeugnis nicht vorlegen

Prüfe, welche Nachweise die konkrete Ausschreibung verlangt. Wenn ein korrigiertes Zeugnis noch aussteht, kannst du das sachlich erklären und gegebenenfalls andere passende Leistungsnachweise ergänzen. Verändere oder beschönige den ausgestellten Zeugnistext nicht selbst. Eine Lücke in den Unterlagen ist eine Bewerbungsfrage, keine Lösung des Zeugnisstreits.

Checkliste: Was brauche ich vor dem Gespräch?

  • Das vollständige Zeugnis und gegebenenfalls frühere Versionen liegen vor.
  • Ich habe Datenfehler, fehlende Aufgaben und strittige Bewertungen getrennt notiert.
  • Zu jeder Beanstandung habe ich den Originalsatz oder die konkrete Lücke benannt.
  • Meine Änderungsvorschläge passen zur tatsächlichen Aufgabe und Leistung.
  • Beurteilungen, Zwischenzeugnisse oder Projektunterlagen sind dem jeweiligen Punkt zugeordnet.
  • Vertragsunterlagen und mögliche Fristen sind nicht aus dem Blick geraten.
  • Ich weiß, wer beim Arbeitgeber für die Rückmeldung zuständig ist.

Für einen ergänzenden sprachlichen Blick kannst du den Text auf der Prüfseite des ZeugnisCheckers einfügen. Entferne vorher unnötige persönliche und vertrauliche Angaben und beachte die Datenschutzhinweise. Ein abgeleiteter Notenwert kennt deine tatsächliche Arbeitsleistung nicht und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.

Wie prüfe ich, ob eine Überarbeitung das Problem gelöst hat?

Vergleiche eine neue Fassung Punkt für Punkt mit deiner ursprünglichen Änderungsliste. Ein freundlich formulierter Begleittext des Arbeitgebers sagt noch nicht, welche Änderungen tatsächlich vorgenommen wurden. Markiere deshalb im Zeugnis selbst, was ergänzt, gestrichen oder anders bewertet wurde. Lies den betroffenen Absatz anschließend vollständig und nicht nur den geänderten Satz.

Wenn eine fehlende Tätigkeit ergänzt wurde, prüfe den Zeitraum und den Umfang deiner Verantwortung. Aus einer tatsächlichen Projektleitung sollte nicht versehentlich bloße „Mithilfe“ werden. Umgekehrt sollte ein Ergänzungsvorschlag deine Rolle auch nicht größer darstellen, als sie war. Bei geänderten Leistungsformulierungen vergleichst du das neue Gesamturteil erneut mit Ergebnissen, Arbeitsweise und Verhalten.

Es kann vorkommen, dass nur ein Teil deiner Punkte übernommen wird. Halte dann fest, welche Fragen erledigt und welche offen sind. Bitte für die verbleibenden Punkte um eine gezielte Rückmeldung, statt dieselbe pauschale Beanstandung noch einmal zu senden. Wenn die weitere Diskussion sich im Kreis dreht, erleichtert diese Übersicht eine individuelle Beratung.

Bewahre die Fassungen mit klaren Dateinamen auf. Füge Änderungen nicht selbst in ein ausgestelltes Zeugnis ein und verwende keine eigenständig bearbeitete Fassung als Arbeitgeberdokument. Für eine Bewerbung solltest du nachvollziehbar kommunizieren, welches Zeugnis bereits vorliegt und ob eine Überarbeitung noch aussteht.

FAQ

Häufige Fragen zu einem schlechten Arbeitszeugnis

Woran erkenne ich ein schlechtes Arbeitszeugnis?

Prüfe die zusammenfassende Leistungsformel, Einschränkungen, fehlende wesentliche Aufgaben und Widersprüche zwischen den Absätzen. „Zu unserer Zufriedenheit“ steht üblicherweise für ausreichend. Ein isoliertes Wort oder eine fehlende Schlussformel reicht jedoch nicht für ein verlässliches Gesamturteil.

Kann ich eine bessere Note als Note 3 verlangen?

Eine gewünschte bessere Note sollte zu deinen tatsächlichen Leistungen passen. Nach BAG 9 AZR 584/13 müssen Beschäftigte Tatsachen für eine Bewertung besser als „befriedigend“ darlegen und beweisen. Eine freundlichere Formulierung allein begründet keinen Anspruch.

Wie formuliere ich einen Widerspruch gegen das Zeugnis?

Bitte schriftlich um Prüfung konkreter Punkte: Originalsatz oder Lücke nennen, den Änderungswunsch erklären und passende Unterlagen beifügen. Eine sachliche Änderungsbitte ist hilfreicher als „das Zeugnis ist zu schlecht“. Bei Fristenfragen reicht ein allgemeines Textbeispiel nicht aus.

Hilft ein gutes Zwischenzeugnis bei der Beanstandung?

Es kann ein wichtiger Vergleich für Aufgaben und Beurteilungen sein. Prüfe aber, welchen Zeitraum es abdeckt und ob sich die Tätigkeit oder Beurteilungsgrundlage danach geändert hat. Lege es bei einer Beratung zusammen mit dem Abschlusszeugnis vor.

Was tue ich, wenn der Arbeitgeber nichts ändern will?

Bitte um eine nachvollziehbare Begründung und dokumentiere die strittigen Punkte. Wenn keine Einigung möglich ist oder Fristen unklar sind, kann individuelle Beratung helfen. Eine Textanalyse und ein pauschales Musterschreiben begründen keinen Anspruch auf eine bessere Bewertung.

Wie gehe ich nach der ersten Prüfung weiter vor?

Zum Einordnen helfen die Ratgeber zur Arbeitszeugnis-Bewertung nach Noten und zum Aufbau eines Arbeitszeugnisses. Konkrete Änderungswünsche bereitest du mit dem Ratgeber Arbeitszeugnis ändern lassen vor. Einzelne Wendungen findest du unter Arbeitszeugnis-Formulierungen nach Noten.

Der sinnvolle nächste Schritt ist eine kurze, belegbare Änderungsliste. Sie hilft beim direkten Gespräch ebenso wie bei einer späteren Beratung. Ob eine Korrektur erfolgt, hängt vom tatsächlichen Sachverhalt und der Klärung mit dem Aussteller ab, nicht von einem möglichst scharfen Ton.

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